Babylon
Oktober 2007|187 Seiten|Gebunden
19,80 EUR
ISBN 978-3-936609-35-6
Leseprobe
Eine Kleinstadt nahe der deutsch-polnischen Grenze. Der jüdische Gastdirigent Aurelio de Monti führt dort ein von ihm neuentdecktes Oratorium "Babylon" aus der Vivaldi-Zeit auf. Er bleibt länger, gerät aber, auch durch die unglückliche Liebschaft mit einer verheirateten, evangelischen Pastorin, unversehens zwischen kaum sichtbare Fronten und in Lebensgefahr. Neonazis, von einer immer breiteren Bürgerschaft unterstützt, bereiten einen Brandanschlag auf ein islamisches Ausländerheim vor. Das vielfache babylonische Sprachengewirr - religiös, kulturell, politisch und privat - führt trotz aller Bemühungen eines interkulturellen Dialogs zum Einsturz des in den Himmel gebauten idealistischen Turms. Kurz vor der Katastrophe entwickeln die Protagonisten der Erzählung allen Widerständen zum Trotz die Zukunftsvision einer grundlegenden Erneuerung der weltweit zerstrittenen Religionen.
Der sechste Roman Frido Manns nimmt zu einem Grundproblem unserer Gegenwart Stellung. Er plädiert für eine Epochenwende im Dialog der Religionen als Grundlage für eine, angesichts der tagtäglichen mörderischen fundamentalistischen Gefährdungen, überlebensnotwendige gemeinsame und friedliche Zukunft.
Der Autor: Frido Mann wurde 1940 im kalifornischen Exil seiner Familie geboren und wandte sich erst gegen Ende seiner akademischen Laufbahn als Theologe, Psychologe und Mediziner seiner schriftstellerischen und interkulturellen Tätigkeit zu.
Foto: Astrid von Heyer
"Mit viel Zustimmung habe ich auch Ihr Romankapitel über die 'kopernikanische Wende der Religionen' gelesen ... Sie haben außerordentlich differenziert zu den hier anstehenden Fragen Stellung genommen."
Hans Küng in einem Brief an Frido Mann, 5. Juli 2007
"Ich habe Ihren Roman "Babylon" mit großer Teilnahme und immer neu aufgefrischtem Interesse gelesen. Der Schluß ist ja schockierend. Man folgt lange den interreligiösen Debatten und glaubt, auf Babylon müßte irgendein weltethisches Pfingsten folgen, vermutet die Anfänge dazu in der Liebe zwischen Aurelio und Hendrike, bzw. dem Dreibund Aurelio-Hendrike-Karimi, aber dann wird erst Karimi zur Enttäuschung und bald auch Hendrike, die Liebe erweist sich als nicht stark genug, die Intellektuelleneinigkeit erst recht nicht, und am Ende ist Aurelio, ist gewissermaßen Nathan der Weise das Opfer. Daß in ihm das Licht der Mystik glüht, bedeutet zwar religiös-vertikal eine Versöhnung, aber in unserer horizontalen sozialen Welt ist sein Sterben eine Schande. Ich habe den hirnlos zuschlagenden pöbelhaften Rechtsradikalismus, den Sie schildern, oft zu marginalisieren versucht, aber Ihre Schilderungen haben mir doch zu denken gegeben. Die Dummheit und ihr folgend die Brutalität nehmen insgesamt ja doch zu, medial genährt und geschürt vom Nobbe-Typus.
Ich persönlich könnte als Christ sehr gut leben mit Aurelios Erkenntnis, daß Jesus nichts anderes war als der letzte große Prophet des jüdischen Volkes. Der Ausschließlichkeitswahn der christlichen Kirchen hat zu viel Unheil geführt. Ich sympathisiere nach wie vor mit Lessings Ringparabel: Keiner überhebe sich über den anderen, jeder bringe die Kraft seines Rings zutage und zweifle nicht daran, daß auch andere Ringe echt sein können.
Auch der Schauplatz ist gut gewählt. In Görlitz war ich schon das ein oder andere Mal, saß auch schon einmal in der Kneipe an der Fieradenmühle in der Neiße, die bei Ihnen vorkommt, und kenne die unheilschwangere Atmosphäre dort. Ihr (fiktives?) Dregkwitz gewinnt überzeugende Realität. Die Sphäre des evangelischen Pfarrhauses von heute kenne ich nur vom Rande, aber sie scheint mir bis zum Karikaturistischen richtig zu sein. Und daß ein gewisser Teil dieser Sphäre am Ende mit dem Rechtsradikalismus unter einer Decke steckt - daß jedenfalls Hendrike am Ende fehlt und Aurelio allein bleibt -, hat eine beängstigende Plausibilität."
Hermann Kurzke in einem Brief an Frido Mann, Dezember 2007