Cover: IJDL 1.2005

IJDL - International Journal of Diachronic Linguistics and Linguistic Reconstruction


2nd Volume|1.2005
June 2005|VI, 122 pages|paperback
single issue price 27,00 EUR
annual subscription rate 44,00 EUR

Table of Contents


 

Detlev Groddek
Über Joins und Joinen. Aus der Arbeit an der Hinterlassenschaft hethitischer Archive

Insgesamt liegen der Hethitologie ca. 25000 bis 30000 Tafelfragmente aus Hattu?a/Boðazköy vor, wobei sich die aktuelle Zahl der Tafelfragmente durch Textanschlüsse schon signifikant verringert hat. Trotzdem ist die Textrekonstruktion weiterhin auf die Identifizierung von Anschlussstücken angewiesen. Erfolg versprechende kombinierte Heuristiken und typische Verfahrensfehler bei der Auffindung und Beurteilung von Textanschlüssen werden in diesem Werkstattbericht - für das hethitische Corpus erstmals - ausführlich beschrieben und anhand zahlreicher Fallskizzen konkret erläutert. Der linguistische Ertrag rekonstruktiver Textgewinnung wird durch die lexikalische Aufarbeitung neu hinzugekommenen Belegmaterials greifbar.


Joachim Matzinger
Messapisch und Albanisch

Die Stellung des Albanischen innerhalb der indogermanischen Sprachfamilie ist ein viel diskutiertes Problem. Das Ziel des Beitrags besteht in kritischer Evaluierung der mehrfach angenommenen Beziehungen des Albanischen zum Messapischen, einer Trümmersprache aus dem antiken Italien. Die hypothetischen Berührungspunkte zwischen Albanisch und Messapisch in den Bereichen der Flexion und der Wortbildung werden genau analysiert und auf ihren Aussagewert bezüglich der Verwandtschaftsverhältnisse des Albanischen geprüft. Es zeigt sich, dass einige der bereits bekannten Übereinstimmungen tatsächlich den Wert von exklusiven albanisch-messapischen Isoglossen beanspruchen können, während bestimmte andere nicht aussagekräftig sind.


Wolfgang Schulze
Towards a history of Udi

Udi is the only autochthonous East Caucasian language the diachrony of which we can now access with the help of newly discovered written sources stemming from roughly the 6th century AD. By this, Udi (now spoken by some 5000 people especially in the village of Nizh in Northwestern Azerbaijan) can serve as a diagnostic tool for reconstructing the history of other East Caucasian languages currently lacking an earlier documentation. Moreover, the new data allow to reconstruct more closely the linguistic history of Udi and to relate it to the general historical settings of Northern and Central Azerbaijan. Udi turns out to be a descendant of the "state language" of the ancient "Caucasian Albanian" kingdom (roughly 300-700 AD) standing in a row with the tradition of Armenian and Georgian. In this paper, a more general scenario concerning the emergence of Udi is given, as it now becomes apparent from the data of the so-called Caucasian Albanian Palimpsest, supplemented by new proposals to read the fragmentary "Caucasian Albanian" inscriptions found in Azerbaijan. This scenario is corroborated with the help of analyses concerning loan layers and grammatical changes, showing that Udi has since long faced language contact among others with a yet unidentified early Indoeuropean language, with Northwest Iranian and with Armenian.


Eugen Hill
Akzentuierung der Superlative, das Wort für "Wind" und Akzentverschiebung nach Dreisilbengesetz in der Vorgeschichte des Germanischen

Gegenstand der Untersuchung sind zwei Superlativ-Formen des Urgermanischen, deren Fortsetzungen in den germanischen Einzelsprachen in zwei Verner-Varianten erscheinen, was auf Akzent-Unterschiede in vorgermanischer Zeit schließen lässt. Nach einer eingehenden Diskussion der Bildeweise grundsprachlicher indogermanischer Komparativ- und Superlativ-Formen anhand der indoiranischen und griechischen Evidenz kommt man zu dem Schluss, dass die Akzent-Dubletten bei urgermanischen Superlativen nur durch die Annahme einer Akzent-Verschiebung in einem Teil ihres Flexionsparadigmas in vorgermanischer Zeit erklärt werden können. Die aufgestellte Regel, nach der der Akzent in besonders langen Flexionsformen barytonierter Nomina sekundär um eine Silbe gegen das Ende des Wortes verlegt wurde, liefert zugleich eine ungezwungene Erklärung für ein weiteres Rätsel der historischen germanischen Akzentologie, nämlich das singuläre Akzent-Verhalten des alten Wortes für "Wind".