Cover: IJDL 2.2005

IJDL - International Journal of Diachronic Linguistics and Linguistic Reconstruction


2nd Volume|2.2005
December 2005|IV, 95 pages|paperback
single issue price 27,00 EUR
annual subscription rate 44,00 EUR

Table of Contents


 

Ronald Kim (Philadelphia)
Ossetic silae/syl and the Indo-Iranian word for 'female'

The Ossetic word for 'female', Digor silae, Iron syl, presents a number of problems which have never been satisfactorily resolved. Since the 1940s, there has been general agreement that these forms are in some way connected with the family of Ved. strî 'woman, wife', Av. strî 'woman', as well as Khotanese strîyâ- 'woman, female'. Compared to other Iranian cognates of Ved. strî, the prehistory of silae/syl is unclear in several respects. The paper reviews and evaluates the existing hypotheses, and offers a new proposal with consequences for the reconstruction of the Indo-Iranian and Proto-Indo-European word for 'female'.


Daniel Kölligan (Köln)
Lat. lûgêre 'trauern'

Die übliche etymologische Verknüpfung von lat. lûgêre, -eô 'trauern' mit der Wurzel idg. *lewg- 'brechen' (: ai. rujáti 'bricht', arm. lowcanem 'löse', ae. lûcan 'jäten' usf.) ist semantisch nicht unbedingt befriedigend, da das hierbei zur Erklärung des Bedeutungswandels vorausgesetzte Syntagma 'das Herz bricht' (wie lit. sirdis lusta) im Lateinischen nicht prominent ist und lûgêre, -eô i.d.R. mit persönlichem Subjekt steht. Eine andere Möglichkeit besteht in der Herleitung aus der idg. Wurzel *slewg- 'schlucken', die im Germanischen ihre ursprüngliche Bedeutung bewahrt hat (: mhd. schlûchen 'schlucken, verschlingen'), im Griechischen aber die Bedeutung 'schluchzen' und 'Schluckauf haben' angenommen hat (: λυζω, Hesych. λυγγανωμενον λυζοντα εν τω κλαιειν). Dieselbe Bedeutungsentwicklung läßt sich auch für lûgêre, -eô annehmen, das dann auf iteratives *slowg-éye/o- zurückginge: 'wiederholt/heftig schlucken' > 'schluchzen' > 'trauern'. Die tr. Verwendung eines urspr. itr. Verbs dieser Bedeutung findet eine Parallele in lat. flêre, -eô 'weinen/beweinen und plorâre, -ô 'rufen, (be-)jammern'.


Joachim Matzinger (Jena)
Zur messapischen Inschrift von Diso (MLM 1 Di)

Das Messapische ist eine idg. Trümmersprache, die in ca. 600 Inschriften auf dem Gebiet des heutigen Apulien überliefert ist. Wie alle Trümmersprachen, so stellt auch das Messapische auf Grund seiner defizitären Überlieferung die sprachliche Erklärung seiner Denkmäler vor große Probleme. Außerhalb der bekannten Namensformeln, entziehen sich viele der messap. Inschriften noch einer befriedigenden Interpretation. Dies gilt auch für den Schlußteil der Inschrift von Diso, Vignacastrisi-Vaste (MLM 1 Di). Der Autor diskutiert diese kurze Inschrift und versucht für einen bestimmten Abschnitt des Schlußteils (..stana..) eine Interpretation zu geben, die sich im Rahmen des bekannten Formulars von antiken Dedikationsinschriften bewegt.


Andrej V. Sideltsev (Moscow)
OH, MH paradigm of karâp-/karép-type

The pl. paradigm *sék-weni, sék-teni, sékk-anzi; *sék-wen, *sék-ten, *sékk-er is argued to be original for OH and MH. The analogical pressure from at least two other verb-types (âr-/ar-type; ês-/as-type) brought sak-têni into existence. The accent, morphonology and mutual influence of the types ispâr-/ispárr-, karâp-/karép- and âr-/ar-, sipânt-/sipant- is discussed (particularily in participles) with special attention to weak stem accent (root accented vs ending accented). The postulation of the type sipânt-/sipant- is refuted for lack of evidence of root accent in the weak stem.


Eugen Hill (München)
Althochdeutsch hladan vs. altenglisch hladan: grammatischer Wechsel neuen Typs beim germanischen starken Verb

Der Aufsatz beschäftigt sich mit der Rekonstruktion des urgermanischen Verb für 'laden'. Reflexe dieses starken Verbs in den germanischen Einzelsprachen setzen für die urgermanische Zeit bekanntlich teils *hlaþe- mit stimmlosen voraus (wie z.B. ahd. hladan), teils *hlade- mit stimmhaftem *d (wie z.B. ae. hladan). Dieses alte Problem lässt sich befriedigend lösen, wenn man annimmt, dass urgermanisch 'laden' ursprünglich der Gruppe der sogenannten 'Aorist-Präsentien' angehörte, indem seine Wurzel im Präsens tiefstufig war und somit nach Verners Gesetzt auf stimmhaftes *d ausgehen musste. Nachdem die Morphologie des urgermanischen starken Präteritums (vorgermanisches Perfekt) ursprünglich nicht von den morphologischen Eigenschaften des entsprechenden Präsens abhing, ist davon auszugehen, dass die Wurzel des Verbs im Singular des Präteritums vollstufig war und somit auf stimmloses ausgehen konnte. Der Wechsel *d im Präsens vs. im Präteritum Singular ist allerdings ein sehr ungewöhnliches Muster, so dass die germanischen Einzelsprachen bald die eine, bald die andere Variante verallgemeinerten. Als Vorbild dienten dabei offenbar starke Verben ohne grammatischen Wechsel im Ausgang der Wurzel.